26.Juni 2011

Zur Geschichte der Apostelkirche Miesbach


"... schmückt nun das wirklich so recht in die Gegend hineinpassende Kirchlein den freundlichen Markt."

So schreibt der Miesbacher Anzeiger in seinem Bericht über die Einweihungsfeier der Apostelkirche am 25. März 1911. Bis es dazu kam, lag schon einiges an Weg hinter der evangelischen Gemeinde in Miesbach. Und auch in den darauf folgenden Jahrzehnten hat sich viel ereignet, das einen Rückblick lohnt:

19. Jahrhundert: Mehr und mehr Protestanten ziehen nach Miesbach: als Saisonarbeiter, als Arbeiter im Bergbau oder als behördliche Amtsträger. Ab 1868 halten Reiseprediger in der Villa Kammerer die ersten protestantischen Gottesdienste. Von 1881 an finden sie aus Platzmangel im großen Sitzungssaal des neu erbauten Miesbacher Rathauses statt.

24.02.1901: Gründung des Protestantischen Kirchenbauvereins mit dem Ziel, Gelder für den Bau einer evangelischen Kirche zu sammeln. Erste Pläne für den Kirchenbau werden 1903 entworfen. In Miesbach gibt es etwa 100 Protestanten.

09.08.1908: Grundsteinlegung auf dem Wolfinger Anger, einem unbebauten Gelände in der Ortsmitte.

1909: Gründung einer evangelischen Kirchengemeinde als Dependenz der Pfarrei Großkarolinenfeld, Wahl des ersten Kirchenvorstands.

25.03.1911: Einweihung der Kirche durch Oberkonsistorialrat Dr. Schmetzer unter großer Anteilnahme der gesamten Miesbacher Bevölkerung.

1917: Zwei der drei Kirchenglocken werden im 1. Weltkrieg zur Metallgewinnung beschlagnahmt. Erst Mitte der 20er Jahre kann sich die Gemeinde neue Glocken leisten, die in Apolda/Thüringen gegossen werden.

1925: Richard und Elfriede Gans, Gutsbesitzer von Wallenburg, stiften die farbigen Glasfenster im Chor der Kirche.

01.01.1929: Miesbach wird selbstständige Pfarrei.

1936: 25-Jahrfeier, Familie Gans stiftet die farbigen Fenster im Kirchenschiff.

1940: Wieder muss die Kirchengemeinde zwei Glocken „für Kriegszwecke” opfern. Nur die kleinste, die Sterbeglocke, darf im Kirchturm hängen bleiben.

02.05.1945: Eine SS-Einheit beschießt vom Stadelberg aus die einmarschierenden Amerikaner, der Turmhelm der evangelischen Kirche wird getroffen.

1952: Als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzenen Glocken erhält die Gemeinde zwei sogenannte „Leihglocken”, die aus den früheren schlesischen Gemeinden Krummendorf und Pontwitz stammen.

1961: Zur 50-Jahrfeier wird die Kirche renoviert, Kanzel und Altar werden nach dem Geschmack der damaligen Zeit neu- bzw. umgestaltet.

1998/99: Unfassende Renovierung der Kirche durch Architekt Franz Lichtblau. Neugestaltung des Chorraums zusammen mit der ersten Bankreihe als Achteck. Neu sind auch Altar, Kreuz, Lesepult und Taufbecken von Bildhauer Karlheinz Hoffmann. Die Kirche bekommt den Namen „Apostelkirche”.

2000: Eine neue Orgel für die Apostelkirche: Weihe der „Ruth-Hinderer-Orgel”, erbaut von Fa. Wünning aus Großolbersdorf/Erzgebirge.

2005: Wiederweihe der Krummendorfer Glocke nach ihrer Restaurierung.


Im Durchgang zwischen Apostelkirche und Gemeindehaus ist noch bis Oktober eine Ausstellung von Fotos und Dokumenten aus 100 Jahren Apostelkirche zu sehen. Sie ist zugänglich zu den üblichen Gottesdienstzeiten.