13.Oktober 2011
Christuskirche Arbeiten mit Respekt vor dem Baudenkmal
Architekt Johannes Wegmann
Architekt Johannes Wegmann, dessen Büro schon in dritter Generation in Schliersee
ansässig ist, begleitet die Renovierung der Christuskirche.
Pfarrer Friedrich Woltereck
sprach mit ihm über seine Verbundenheit zu diesem Baudenkmal und die Herausforderungen,
die es in der Renovierung stellt.
Herr Wegmann, Sie hatten die Renovierung
der katholischen Pfarrkirche St.
Sixtus in Schliersee übernommen. Wie
wirkte auf Sie die Anfrage, nun auch die
Renovierung der Christuskirche zu begleiten?
Wegmann: Schon bei der Erstellung
des Büchleins „Kunst & Kultur im
Schlierseer Winkel“ war
es für mich selbstverständlich,
diesem Bau, der
nicht zu den klassischen
Baudenkmälern gehört,
einen entsprechenden
Raum zu geben. So eine
moderne Kirche haben
wir nicht so häufig. Zudem
hat sie überregionale Bedeutung.
Daher freute ich
mich über die Anfrage, die
wohl durch eine Empfehlung
Wie hat sich Ihr Bezug zur Christuskirche
seit dem Beginn der Renovierung
verändert?
Wegmann: Generell habe ich Respekt
vor Baudenkmälern. Die Christuskirche
muss man vor dem Hintergrund der
Kargheit und Einfachheit des Umgangs
mit dem Thema Bau in den fünfziger
Jahren sehen. Das bedeutet als Architekt,
reduzierte Maßnahmen zu begleiten.
Ein Architekt möchte ja am liebsten
viel gestalten, hier muss ich mich
zurücknehmen gegenüber dem Architekten
Olaf Andreas Gulbransson. Die
damalige Knappheit der Mittel hat zu
einer Kargheit und Schönheit geführt,
zu einer einfachen Formensprache.
Diese soll erhalten werden, während
gleichzeitig Dinge getan werden müssen,
um die Statik zu verbessern: die
Ertüchtigung des Dachtragwerks und
die neue Einglasung des
Oberlichtes. Während der
Arbeit habe ich einen intensiveren
Bezug zu dem
Kirchenraum bekommen.
Wie kam es zu dem Termin
23. Oktober als Tag
der Wiedereröffnung?
Wegmann: Als Initiator,
Mitorganisator des Kulturherbstes
hatte ich die
Vision, innerhalb des großen
Kulturereignisses die
Kirche wieder zu eröffnen.
Lässt sich der Termin einhalten? Gibt es
Risiken?
Wegmann: Leider hat der katastrophale
Juli zu einem Zeitverzug geführt. Bei
der Ertüchtigung des Dachtragwerks
durch Einbau von zusätzlichen Holzträgern
sollte der darunter liegende
Rohrmattenputzträger nicht nass werden.
Aber es konnte im August viel Zeit
wieder aufgeholt werden. Kritisch ist
die Neugestaltung des Oberlichtes. Es
wird neues durchsichtiges Sicherheitsglas
verbaut, das aber genau eingepasstwerden muss. Es kann sein, dass eine
Abdichtung gegenüber eindringender
Feuchtigkeit viel Zeit in Anspruch
nimmt.
Bei der Renovierung einer Kirche
schaut man sich den Bau genauer an.
Wie sehen Sie Olaf Andreas Gulbransson
als Architekt? Wo hat er für seine
Zeit Großes geleistet? An welcher Stelle
waren Sie etwas weniger überzeugt von
seiner Arbeit?
Wegmann: Olaf Andreas Gulbransson
war ein ganz großer Kirchenbauer. Einer,
der mit den einfachen Mitteln seiner
Zeit so eine Qualität erzeugt hat. Er
muss ein gläubiger Mensch gewesen
sein. Um einen solchen Zentralbau zu
schaffen, muss man ein tief religiöser
Mensch sein. Die Dachkonstruktion ist
mutig. Sie ist aus der Kargheit seiner
Zeit entstanden. Allerdings wird auch
nach der Renovierung trotz Verschraubung
noch eine gewisse Durchbiegung
der Hauptbinder bleiben.
Ein Schlusswort?
Wegmann: Ich freue mich darauf, dass
die Christuskirche zu einer Stätte kulturellen
Schaffens wird.
Einige Gedanken zur Christuskirche in Schliersee ...[mehr]