Café Lila

Wir suchen Unterstützung. Werden Sie Teil des Teams vom neuen Inklusionscafé. Worum es dabei genau geht? Marlies Mehrer hat zwei Inklusionscafés besucht und im folgenden Artikel ihre Erlebnisse aufgeschrieben. In diesen Wochen gründet sich ein Ehrenamtlichen-Team für den Start des neuen Café Lila an der Miesbacher Apostelkirche.

Menschen mit Handicap als GastgeberInnen

Besuch in Toms Café und im Café Miteinand

Ich komme etwas zu früh zu meinem Termin, also bestelle ich mir an der Theke einen Cappuccino. „Das macht eins fünfzig.“, sagt die junge Frau mir gegenüber. Ihre Augen strahlen mich freundlich an und ich weiß, unter ihrer bunt geblümten Maske lächelt sie. Sie fragt mich noch nach der Nummer des Tisches, an den ich mich setzen möchte, legt den Zettel mit der drei und ein laminiertes Bild von einem Cappuccino auf ein kleines Tablett und schiebt es weiter zu ihrer Kollegin. Kurz darauf kommt ihre Kollegin und bringt mir den Kaffee an meinen Tisch. Ich habe noch Zeit, also lasse ich erst mal alle Eindrücke auf mich wirken. Ich bin in Toms Café, dem Holzkirchner Inklusionscafé der evangelischen Kirchengemeinde. SchülerInnen aus der Anton-Weilmaier-Schule in Hausham können hier ihren Praktikumstag verbringen und so einen Einblick in die Arbeitswelt erhalten. Alles ist freundlich und einladend dekoriert. Es gibt bunte Sitzkissen auf den Stühlen, auf jedem Tisch stehen Wiesenblumen in kleinen Vasen und ein kleines Teelicht. Es duftet wunderbar nach Waffeln, die von den SchülerInnen frisch gebacken werden. Es gibt eine kleine Kinderspielecke mit Höhle zum Verstecken. Die wird von drei Kindern auch ausgiebig genutzt. Auch ansonsten ist der Raum gut gefüllt. In kleinen Grüppchen sitzen plaudernde Menschen an den verschiedenen Tischen im Café.

Mit zwei der Mitarbeiterinnen habe ich jetzt einen Termin. Mona Hackl hat 2011 Toms Café mitgegründet. Seither arbeitet sie jeden Mittwoch ehrenamtlich im Café und organisiert zusammen mit Gitti Binder, die seit 2012 mit im Team ist, auch alles drumherum. Schon am Vortag gehen sie einkaufen, organisieren Blumen für die Deko und stellen Tische und Stühle für den morgigen Cafébetrieb auf. Auf die Frage, warum sie sich seit so vielen Jahren immer noch so leidenschaftlich hierfür engagieren, antworten sie, dass es nichts Schöneres gibt, als zu sehen, wie stolz die gehandicapten Mitarbeiter auf ihre Arbeit sind. Sie blühen regelrecht auf und haben hier einen Platz in der Gesellschaft. Frau Hackl erzählt von einer Schülerin, die zu Beginn ihres Praktikums im Café so schüchtern war, dass sie nur in der Küche bleiben und die Spülmaschine bedienen wollte. Am Ende stand auch sie stolz hinter dem Tresen und hat die Kunden bedient. Hier findet Begegnung statt und Menschen mit Behinderung werden als Teil der Gesellschaft wahrgenommen, das ist beiden sehr wichtig.

Am nächsten Tag besuche ich das Café Miteinand in Bad Tölz. Mit einem ähnlichen Konzept arbeiten hier neun Jugendliche mit Handicap zusammen mit fünfzehn ehrenamtlichen HelferInnen. Ich darf mich mit der Leiterin Tanja Rudolph unterhalten. Sie erzählt mir, wie sehr sich die Jugendlichen über StammkundInnen freuen. Anscheinend machen sie ihre Arbeit gut! Als sie vom Stolz in den Gesichtern der Jugendlichen erzählt, wenn sie zum Beispiel etwas Trinkgeld bekommen, hat sie Tränen in den Augen. „Dafür mache ich das Ganze. Dieses Gefühl ist mit nichts zu vergleichen und kann dir keiner nehmen.“ Man merkt die gute Stimmung unter den Kollegen. Sie scherzen und lachen miteinander. Sie sind gleichwertige Kollegen, die voneinander lernen und miteinander Andern etwas Gutes tun.

Genau das möchten wir in Miesbach auch. Im neuen Foyer wird immer zur Marktzeit ein Inklusionscafé entstehen. Dazu brauchen wir Sie. Wir suchen ehrenamtliche Helfer, die die Schüler mit Handicap Donnerstag vormittags in ihrer Arbeit im Café unterstützen und anleiten. Da jederzeit eine Lehrkraft mit dabei ist, bedarf es keiner pädagogischen Vorkenntnisse.

 

Nächste Schritte:

August:      Erstes Treffen des Mitarbeiterkreises; Wir überlegen uns, was wir anbieten wollen, was wir hierfür brauchen, Abläufe usw.

September:   Wir sind eingeladen in das Café der Anton-Weilmeier-Schule. Wir lernen die SchülerInnen und ihre Lehrkräfte kennen, erhalten einen Crashkurs, wie wir  gut miteinander umgehen können und machen einen Probedurchlauf für den CafébetriebWir besuchen die anderen Inklusionscafés Toms Café in Holzkirchen und Café Miteinand in Bad Tölz

Oktober:        Wir besuchen die anderen Inklusionscafés Toms Café in Holzkirchen und Café Miteinand in Bad Tölz

Mitte Oktober:  Geplante Eröffnung des neuen Inklusionscafés

 

Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben oder Sie noch Fragen hierzu haben, melden Sie sich gerne bei mir per E-Mail: marlies.mehrer@elkb.de oder Telefon: 0175/6977574


Flyer: